Information und Meinungsaustausch zum Thema Nahwärme für Kusterdingen

Am 21. Oktober um 11 Uhr fand im Bürger und Kulturhaus im Klostergarten eine Matinee der Härtenliste statt, die das Thema Nahwärme in Kusterdingen ins Rampenlicht rückte. Axel Promies führte souverän durch das Programm und moderierte geschickt die zahlreichen Fragen und Beiträge aus dem Publikum.

Die Gemeinde unterstützt den Aufbau eines Nahwärmenetzes

Bürgermeister Dr. Jürgen Soltau, betonte in seinem Beitrag die Verantwortung der Gemeinde bei der Reduzierung von CO2-Emissionen. Dabei stellte er klar, dass der Gebäudesektor etwa ein Drittel der gesamten Emissionen verursacht. Im Rahmen des Quartierskonzepts für Kusterdingen Nord zeigten etwa 66% der Befragten Interesse an einer Nahwärmelösung. Es bietet die Möglichkeit einer schrittweisen Einführung, beginnend mit den Gemeindegebäuden und einer anschließenden Erweiterung auf angrenzende Wohngebiete. Als mögliche Wärmequellen wurden Hackschnitzelanlagen und Heizzentralen mit Wärmepumpen untersucht. Die Gemeinde hat bereits Anträge für Zuschüsse zur Wärmeplanung und die Aufnahme in das Landessanierungsprogramm gestellt.

Erfolgsprojekt Breitenholz: CO2 neutral mit Hackschnitzel und Solarthermie

Günter Gamerdinger, Vorstand der Bürgerenergie Tübingen und Betreiber des Wärmenetzes für Breitenholz, berichtete über die erfolgreiche Umsetzung des Wärmenetzes in Breitenholz. Zunächst gab es eine Planungsphase in der Überzeugungsarbeit bei den Bürgern geleistet werden muss und Verträge gestaltet und abgeschlossen werden.

Viele Bürger scheuen sich davor, die Wärmeversorgung ihres Hauses in andere Hände zu geben. Gamerdinger betonte, dass dafür Vertrauen und eine 100%ige Versorgungssicherheit von großer Bedeutung sind. Eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung und die Identifikation der Bürger mit dem Projekt waren in Breitenholz entscheidend.

Zur Schonung der Hackschnitzelmenge wurde auch ein solares Wärmesystem installiert, das einen 40%igen solarthermischen Anteil ermöglichte. Das gesamte Nahwärmenetz in Breitenholz ist 100% CO2-neutral. Die Anlage besteht aus drei Hackschnitzel-Kesseln, wobei immer einer als Reserve vorgehalten wird. Gamerdinger betonte die Bedeutung der Einbindung lokaler Firmen und die Unterstützung durch die Kommune und die Grundstückseigentümer.

Dusslingen nutzt die Wärme von Abwasser

Der nächste Referent, Martin Strüber vom Ingenieurbüro Lorinser, teilte seine umfangreichen Erfahrungen im Bereich Nahwärme und berichtete über den Aufbau des Nahwärmenetzes in Dusslingen. Er betonte, dass es wichtig ist nicht zu lange zu warten, sondern mit der Planung und Umsetzung zu beginnen.

In Dusslingen wird Abwasserwärme mit Wärmepumpen genutzt sowie Gaskessel eingesetzt. Die Zukunftspläne beinhalten den Einsatz von Klärgas durch den Bau eines Blockheizkraftwerks bei der Kläranlage. Er erklärte, dass die Nahwärmezentrale in Dusslingen heißes Wasser mit 80 Grad in die Zuleitung liefert, während die Wärmepumpen eine Arbeitszahl von etwa 2,7 aufweisen. Ein großer Pufferspeicher mit 100.000 Litern dient zur kurzfristigen Wärmespeicherung.

Bürgerbeteiligung und Bürgerinformation

Josef Göppert von der Agenda Gruppe Klimaschutz Härten berichtete über die Bedeutung der Agenda Gruppe bei der Förderung von Klimaschutzthemen und das Ziel, die Bürger zu informieren und zu involvieren. Die Agenda Gruppe bietet ihre Unterstützung bei der Förderung von Nahwärme sowie bei der Informationsvermittlung und der Bürgerbeteiligung an. Göppert berichtete über Gespräche mit Bürgern und Eigentümern und die Unsicherheiten bezüglich Wärmepumpen und energetischer Sanierung. Nahwärme könne jedoch eine interessante Option bieten, auch in Kombination mit Bioenergie in Kusterdingen.

Engagierte Diskussion mit den Referenten

Nach den Vorträgen folgte eine Diskussionsrunde, bei der die Teilnehmer in kleinen Gruppen zusammenkamen. Die hier gesammelten Themen wurden anschließend im Plenum erörtert.

Umsetzungszeitraum

Es wurde deutlich, dass für viele Teilnehmer die Zeit einen entscheidenden Faktor ist, weil bei ihnen eine Heizungserneuerung ansteht. Auf die Frage des Umsetzungszeitraums wurde betont, dass mit einer Zeitspanne von etwa 5 Jahren zu rechnen sei, wobei es zwei bis drei Jahre dauern könne, bis die grundlegende Entscheidung für ein Nahwärmenetz getroffen werde. Dies erfordert unterschriebene Verträge von ausreichend Hauseigentümern. Aktuell gibt es noch keine Interessenlisten seitens der Gemeinde Kusterdingen, jedoch wurde eine Informations-E-Mail-Verteilerliste eingerichtet, über die interessierte Bürger regelmäßig auf dem Laufenden gehalten werden können.

Soll es einen Anschlusszwang geben?

Eine weitere Diskussion drehte sich um die Frage eines Anschlusszwangs an ein Nahwärmenetz. Die Referenten erklärten, dass dies bei neuen Baugebieten durchaus sinnvoll sein könne, jedoch rechtlich bei Bestandsgebieten schwierig durchzusetzen sei.

Weniger Investitionskosten bei vergleichbaren Verbrauchskosten

Die Kostenfrage wurde ebenfalls erörtert. Die Anschlussgebühr liegt in der Regel bei rund 15.000 €, und der Preis pro Kilowattstunde beträgt voraussichtlich zwischen 15 und 20 Cent. Martin Strüber betonte jedoch, dass die Vollkostenrechnung oft zeigt, dass Nahwärme trotzdem kostengünstiger ist als eine individuelle Heizung im Haus, da bei herkömmlichen Heizsystemen rund 20% der erzeugten Wärme verloren gehen. Es gab Bedenken hinsichtlich möglicher Preiserhöhungen seitens des Nahwärmenetzbetreibers, die jedoch durch Vertragsklauseln und die Beteiligung der Bürger an der Netzführung verhindert werden können. Eine finanzielle Beteiligung von Bürgern in Form von Genossenschaften oder Energiekooperationen wurde als wünschenswert angesehen.

Was ist die richtige Wärmequelle für die Nahwärme in Kusterdingen?

Die Verwendung von Hackschnitzeln als Brennstoff war ein umstrittenes Thema. Günter Gamerdinger erklärte, dass Hackschnitzel in der Regel aus totem Holz gewonnen werden, ohne dass lebende Bäume gefällt werden müssen. Dennoch gab es Bedenken und Diskussionen über die Nachhaltigkeit dieser Energieform.

Die Veranstaltung endete nach etwa 2,5 Stunden und war reich an interessanten Informationen und Diskussionen. Edgar Meyer, der Vorsitzende der Härtenliste, bedankte sich herzlich bei allen Referenten und überreichte ihnen zum Abschluss kleine Geschenke als Anerkennung für ihre wertvollen Beiträge zur Veranstaltung.

Mailing Liste

Die Agendagruppe unterhält eine Mailingliste um den direkten Austausch von Informationen zum Thema “Nahwärme in Kusterdingen” zu ermöglichen und zu einer bürgerschaftlichen Diskussion des Themas beizutragen. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen, sich bei der Mailingliste anzumelden.

  • Jeder Interessierte kann sich selbstständig bei dieser Mailingliste an- oder abmelden. Die eigene Email Adresse wird dabei nicht veröffentlicht.
  • Hier ist der An- und Abmeldelink: https://klimaschutz-haerten.de/nahwaerme-info

Alle Mitglieder der Mailingliste können auch eigene Emails an die Liste senden.

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