Ihr langer Atem war Legende – Nachruf auf Barbara Ertle

Unser Gründungsmitglied und langjährige Ortsvorsteherin Barbara Ertle ist am 03.05. gestorben. Wir trauern um unser engagiertes Mitglied.

Im Sommer 1981 ist die Familie Ertle nach Jettenburg gezogen. Über ihr Interesse am Naturschutz kam Barbara Ertle zur Politik. Sie gehörte zu den Gründern der Härtenliste zuerst 1984 als grüne Wählervereinigung und 1995 als Verein.

Als Barbara Ertle 1984 erstmals für den Ortschaftsrat kandidierte, wurde sie – obwohl Zugezogene, Frau und dann auch noch Grüne – auf Anhieb in das Gremium gewählt. Als Auswärtige besaß sie die Distanz, um die Werte zu erkennen, die Jettenburg zu bieten hat. Das nannte sie einen Vorteil, der ihr damals wohl zu Gute kam. Sie war unabhängig, hatte keinen Grundbesitz, außer den um ihr Haus, sie war nie befangen und musste keine Rücksicht auf Freunde oder Verwandte im Dorf nehmen. Sie war streitbar in ihrem Auftreten, wenn es sein musste: Sie machte den Mund auf, wenn sie es für richtig hielt und nicht, wenn andere es erwarteten. Damit zog sie sich auch Anfeindungen zu. Einmal sagte sie sinngemäß: unsere Arbeit vor Ort gründet auf Gesetzen, die wir nicht gemacht haben, die aber von jedermann geprüft werden können. Ihr war dieses demokratische Element von Kontrolle und Akzeptanz wichtig. 1989 wurde sie Ortsvorsteherin. In ihre Amtszeit fielen unter anderem die Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses, der Lärmschutzwall, sowie der Bau des Wasserrückhaltebeckens. Barbara musste sich mit dem vorgesehen Ausbau des Möbelcenters auf dem jetzigen Gartenmöbelcentergelände auseinandersetzen und konnte verhindern, dass dies zu einer Spaltung im Dorf führte. Dies hat zu Ihrer Beliebtheit über die Fraktionsgrenzen hinweg geführt und daher wurde Sie mehrmals zur Ortsvorsteherin gewählt.

Nach 10 Jahre als Gemeinderätin und 25 Jahren im Ortschaftsrat, davon 16 Jahren als Ortsvorsteherin schied sie im September 2005 altersbedingt mit 68 Jahren aus dem Amt. Sie hat sie sich immer für den Erhalt einer dörflichen Verfassung mit Ortschaftsrat eingesetzt verbunden mit Loyalität gegenüber der Gemeinde. Bei ihrem Ausscheiden sagte sie: Die Vielseitigkeit des Amtes habe es ihr „so lieb gemacht“ und deshalb sei sie als Ortsvorsteherin auch so lange geblieben. „Es war aber auch zeitraubend und anstrengend, zu jeder Tages- und Nachtzeit für alles und jeden zuständig zu sein“. Mit Leuten zu reden anstatt sie mit Beschlüssen zu konfrontieren, war stets ihre Devise. Für ihr langjähriges Engagement erhielt sie vom Ministerpräsident die Staufermedallie.

Wir werden Barbara in guter Erinnerung behalten als eine frühe und mutige Streiterin für den Umweltschutz und für das soziale Miteinander auf den Härten.

Die letzte Zeit war für sie und ihren Ehemann sehr schwer. Sie durfte nach akuter Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes und Aufnahme in ein Pflegeheim aufgrund der Quarantäne 6 Wochen nicht mehr besuchen werden. Christoph konnte sie erst wieder im Paul Lechler-Krankenhaus sehen und dann schließlich, nach weiterer Quarantäne, im Karolinenstift, am Todestag.

Ihre Beerdigung findet am Freitag 15.5.2020 um 14 Uhr in Jettenburg statt. Die Anzahl  der Trauergäste ist wegen der Coronaeinschränkungen auf 50 Personen beschränkt. Auf Barbaras Wunsch sind statt Kränzen oder Blumen eine Spende für Brot für die Welt (IBAN DE10 1006 1006 0500 5005 00) oder Misereor e. V. (IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10) unter dem Stichwort „Gedenken Barbara Ertle“ willkommen.

Schreibe einen Kommentar